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Digitales Mindset bei Banken – mehr als ein nice to have

In Deutschland existieren mehr als 1.100 Fintechs, d.h. technologiegetriebene Unternehmen im Bankenumfeld, die bestehende Banken und Finanzdienstleister angreifen und Marktstrukturen aufbrechen und verändern. Häufig werden aufgrund dieser neuen Marktteilnehmer bestehende Banken vorzeitig zum Tod verurteilt und es wird prophezeit, dass es keine Überlebenschance gibt. Allerdings greift diese Betrachtung zu kurz und kommt aus einer rein technologischen Sicht. Denn es wird immer wieder argumentiert, dass sich die überlegenen Technologien der Fintechs durchsetzen wird. Doch der wichtigste Faktor, nämlich der*die Kund*in, wird hierbei komplett außen vorgelassen. Banken haben ein immenses Netzwerk an bestehenden Kund*innen und zum Teil langjährige, gewachsene und gefestigte Beziehungen zu diesen. Dieses Asset haben Fintechs zum heutigen Zeitpunkt zum Großteil (noch) nicht. Und genau hier liegt die große Chance für bestehende Banken und Finanzdienstleister: Die Wünsche, Bedarfe und Anforderungen der heute schon existierenden Kund*innen exakt zu analysieren, zu verstehen und dann die richtigen Angebote für diese Bedarfe zu schaffen. Diese Bedarfe sind heute schon (und werden in Zukunft noch mehr) digitale Bestandteile haben bzw. können mit digitaler Technologie überlegen gelöst werden. Somit kann die Kombination von bestehenden Kunden mit der Entwicklung passender (digitaler) Angebote die Zukunftsfähigkeit von Banken sichern.


Also alles gut und kein Grund zur Hektik?

Nein, denn der Knackpunkt liegt in den immer größeren Möglichkeiten, Wissensquellen und Zugängen, die bestehende und auch potenziell neue Kund*innen haben. Denn, (potenzielle) Kund*innen werden sich in Zukunft – noch viel mehr als heute – für die Lösung und den Anbieter entscheiden, der das eigene Bedürfnis am besten erfüllt und dabei das beste Kundenerlebnis kreiert. Somit wird sich am Ende das beste und auch kundenzentrierteste Produkt/Angebot durchsetzen und Banken stehen in Konkurrenz zu den angreifenden Fintechs. Durch das immer größere Angebot neuer digitaler Player auf dem Finanzmarkt wird der Konkurrenzdruck natürlich auch immer stärker und ein schnelles Handeln und eine den Kundenwünschen entsprechende Anpassung der Angebote ist unumgänglich für langfristigen Erfolg und Zukunftsfähigkeit. Banken, die sich diesem Wandel schnell stellen und die veränderten Bedarfe der Kund*innen richtig verstehen, können in diesem Konkurrenzkampf mit Fintechs dann jedoch auf einmal die Pole Position innehaben. Für diese Pole Position ist jedoch nicht nur das Erkennen der veränderten Bedarfe der Kund*innen essentiell, sondern natürlich auch die entsprechende Arbeit an der Lösung der digitalen Bedarfe. An dieser Stelle kommt instinktiv der Impuls bei vielen Instituten auf, dass eine gewisse Masse an Software Developern ausreicht, um dann die neuen digitalen Produkte und Services zu bauen. Doch das greift zu kurz. Denn eine erfolgreiche digitale Transformation beinhaltet mehr als die sichtbaren Elemente Technologie, Prozesse und Geschäftsmodelle. Das Fundament dieser sichtbaren Elemente sind die Menschen (d.h. die Mitarbeiter*innen) und ihr digitales Mindset. Sobald der Fokus auf der Entwicklung von digitalem Mindset liegt und die passenden strukturellen Rahmenbedingungen aufgebaut werden, werden die Mitarbeiter*innen neue digitale Technologien, Prozesse, Geschäftsmodelle und damit auch passende Angebote für die Kund*innen entwickeln und vorantreiben. Und zwar nicht nur punktuell, sondern langfristig und kontinuierlich.



Das Comeback der Konzerne

Vereinfacht kann die Situation also wie folgt zusammengefasst werden:

Chancen auf die Pole Position = Kundenzugänge + digitales Mindset.

Wenn es Bankkonzernen also gelingt digitales Mindset zu entwickeln und damit das Fundament für die digitale Transformation zu legen, werden diese im großen Konkurrenzkampf mit Fintechs langfristig erfolgreich sein und die Zukunftsfähigkeit sichern.

Unter digitalem Mindset werden insgesamt 6 Dimensionen verstanden, die erfolgskritisch für den Umgang mit digitaler Transformation sind. Hierbei handelt es sich um langfristig veränderbare Persönlichkeitseigenschaften. Mindset könnte auch mit Mentalität übersetzt werden.

Ganz konkret geht es um die folgenden Dimensionen:


  • Offenheit und Agilität

  • Kundenzentriertheit

  • Kritikfähigkeit

  • Proaktivität und unternehmerische Handlungsorientierung

  • Kreativität und Gestaltungsmotivation

  • Offenere Umgang mit Scheitern

Wie kann digitales Mindset entwickelt werden? 3 Grundpfeiler

Es gibt drei Grundpfeiler für eine Entwicklung des digitalen Mindsets.

Der erste Grundpfeiler besagt, dass es keine Abkürzung gibt. Da es sich bei digitalem Mindset um 6 unterschiedliche Persönlichkeitsdimensionen handelt, die langfristig entwickelt werden können, gibt es keine Abkürzung oder Fast Track zur Mindset Entwicklung. Es handelt sich hierbei um einen Marathon und keinen Sprint. Der häufig gewünschte „1-Tages-Mindset-Workshop“ funktioniert leider nicht. Vielmehr ist ein langfristiger Lernpfad mit vielen kleinen Lerneinheiten notwendig, die aufeinander aufbauen und somit die Möglichkeit zur Entwicklung geben.

Der zweite Grundpfeiler ist die Standortanalyse. Denn, damit ein solcher Lernpfad auch wirklich passend ist, muss der Ausgangspunkt im ersten Schritt bestimmt und analysiert werden. Dieser dient dann als Startpunkt für die eigene Lernreise. Das ist vergleichbar mit einem Navigationsgerät, bei dem ebenfalls vor der Routenberechnung der eigene Standort bestimmt und lokalisiert wird, um wirklich den richtigen Weg zu berechnen. Eine solche Analyse des digitalen Mindsets sollte mit einem wissenschaftlich validen Diagnostik Tool (z.B. mit dem Digital Competence Indicator) durchgeführt werden. Denn die Analyse des Startpunktes muss belastbar und verlässlich sein.

Der dritte Grundpfeiler ist die Individualität. Durch die Analyse des Startpunktes können im Anschluss exakt die Lern- und Entwicklungsinhalte in einem Lernpfad kuratiert werden, die wirklich relevant und passend für die eigene Mindset Entwicklung sind. Diese perfekte Passung führt zu einer höheren Lernmotivation (der Frust, dass man irrelevante Inhalte lernen soll, verschwindet) und zu einem höheren Lernengagement. Nachdem digitales Mindset extrem divers ist und ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann, gibt es natürlich auch viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein solcher Lernpfad aussehen kann. Deswegen empfiehlt sich hierfür eine Lernplattform, die aufbauend auf einer Diagnostik individualisierte Lernpfade ausspielt (z.B. Mindset Indicator Academy)

Mit diesem Fokus auf digitales Mindset können Banken die Grundsteine für die Pole Position für einen langfristigen und zukünftigen Erfolg legen. Das Ausspielen der Vorteile einer breiten Kundenbasis in Kombination mit digitalem Mindset wird zu passgenauen (digitalen) Angeboten führen, die nicht nur Bestandskund*innen halten wird, sondern auch Neukund*innen gewinnen wird.